interdependencies

Fri 08.11.2019, 21:00h

Robyn Schulkowsky: Schlagwerk Gebrüder Teichmann: Live Elektronik Ramsha Shakeel: Gitarre, Max/MSP

Tickets
EUR 20-40, telefonisch unter 0221 280 210

iCal

Wer wurde je Zeuge der Geburt einer Sprache? Robyn Schulkowsky, die Gebrüder Teichmann und Ramsha Shakeel laden bei ihrem Konzert in Hamburg dazu ein: Sie sind gemeinsam auf der Suche nach einer neuen Form der Kommunikation.

Schulkowsky ist eine der renommiertesten Akteurinnen der zeitgenössischen Musik. Sie hat als Perkussionistin mit John Cage und Morton Feldman ebenso gearbeitet wie mit klassischen Ensembles und Jazz-Avantgardisten. Die Brüder Andi und Hannes Teichmann sind verwurzelt in der internationalen Clubkultur, die sie das Denken in Strukturen und Konzepten gelehrt hat, aber auch die Verbindung unterschiedlicher Traditionen. Ihr Instrumentarium ist Techno, ihre Methode das Experiment, Ziel ist der Aufbruch ins Unerhörte.

Die Zusammenarbeit von Schulkowsky / Teichmann begann im September 2017 mit einem ersten Konzert in Berlin. Seither vertieft das Trio seinen elektroakustischen Dialog und öffnet ihn punktuell für die Impulse von weiteren Musikern und die Interaktion mit dem Publikum.

Bei ihrem Konzert im November 2019 wird die Gitarristin und Computermusikerin Ramsha Shakeel das Vokabular von Schulkowsky / Teichmann zusätzlich erweitern. Der Auftritt im resonanzraum wird zur Begegnung von drei Generationen und drei musikalischen Welten: Akustik und Improvisation, Hardware-Elektronik und Sequencing, digitale Prozesse und Synergismus. So entsteht eine dreidimensionale Musik, die das Nebeneinanderher vieler Crossover-Projekte überwindet. Sie ist gleichberechtigt, ineinander verwoben, sich gegenseitig bedingend.

Robyn Schulkowsky, die Gebrüder Teichmann und Ramsha Shakeel erforschen damit einen Ort für musikalischen und sozialen Austausch, der sich von Szene- und Genre-bedingten Codes lossagt. Geschlossene Räume werden geöffnet und transzendiert. Systeme hinterfragt, um neue zu erproben. Mit Parametern wie dem strengen Regime des Metrums wird gebrochen, um Rhythmus und Klang in freies Territorium zu überführen. So entsteht in einem kollektiven Akt eine Musik, die sich von falschen Gegensätzen (Improvisation vs. Komposition, Konzertsaal vs. Club) verabschiedet. Sie wird durchlässig und bleibt zugleich doch ungemein handfest.

Das Echo der jeweiligen Erfahrungen hallt nach, wird neu verstärkt und in Einklang gebracht: die Pionierleistungen der Neuen Musik, die Demokratisierung durch Techno, die radikale Zeitgenossenschaft digitaler Entwicklungen. Der Weg ist dabei genauso wichtig wie das Ziel. Der Entstehungsprozess ist elementarer Bestandteil der Erfahrung und soll immer hörbar bleiben. Jedes Konzert ist ein nächster Schritt, aber kein Endpunkt. Wer dabei ist, wird zum Teil einer Entwicklung.

In der Sprache von Schulkowsky / Teichmann gibt es einen Begriff dafür: Interdependencies. Er klingt nach einem musikalischen Abenteuer, auf das man sich bedingungslos einlassen kann.


Text: Arno Raffeiner